Barfuss beim Wallberglauf am Tegernsee - 8 Videos

Bevor ich mit meinem ausführlichen (und vielleicht langweiligen?) Wallberglauf-Bericht beginne verlinke ich Euch hier erst einmal meine 8 selbstgedrehten Video-Clips:

Video 1: Begrüssung vor dem Start (56 Sekunden, 5,14 MB)

Video 2: Wallberglauf nach 200 Höhenmetern (1:06 Minuten, 6,24 MB)

Video 3: Jogging-Schritt bei flacherer Steigung (1:21 Minuten, 7,64 MB)

Video 4: Wallberglauf bei 500 Höhenmetern (2:11 Minuten, 12,1 MB)

Video 5: Wallberglauf bei 700 Höhenmetern – Spätwinter am 1. Mai (2:00 Minuten, 11,3 MB)

Video 6: Zieleinlauf von 800 bis 830 Höhenmetern (2:32 Minuten, 14,0 MB)

Video 7: Bergpanorama südöstlich des Zieles (51 Sekunden, 4,67 MB)

Video 8: Blick vom Ziel Richtung Tegernsee und Alpenvorland (53 Sekunden, 4,85 MB)

Hallo Leute,

am ersten Tag dieses überlangen Wochenendes, am Freitag den 01.05.2009 war ich bei meinem ersten Beglauf-Wettkampf in diesem Jahr. Es ist mein zweiter diesjähriger Lauf-Wettkampf insgesamt, der erste war aber kein Berglauf, sondern der flache Halbmarathon in Kempten am 19.04.. Genau wie den Halbmarathon in Kempten machte ich diesen Berglauf ebenfalls barfuss.

Der Berglauf war allerdings nicht gerade bei mir „um die Ecke“, sondern es war der Wallberglauf am Tegernsee, rund 60 km süd-südöstlich von München und mit dem Auto (oder Fahrrad) gut 160 km östlich meiner Heimat Immenstadt. Meine Anreise am Freitag in aller Frühe waren aber keine 160 km mit dem Auto (habe gar keines), auch nicht 160 km mit dem Fahrrad (habe zur Zeit nicht so viel Lust zum Radeln und hätte wenn dann am Vortag anradeln müssen). Nein, meine Anreise war deutlich mehr als 160 km lang, es ging nämlich auf einem Umweg über München – da die Deutsche Bahn eben die Gleise nicht anders verlegt hat. Ihr seht also, ich reiste mit der Bahn an. Aber auch das war alles andere als einfach und stressfrei. Denn genau genommen war ich gezwungen, meine Bahn-Anfahrt mit dem Fahrrad zu kombinieren. Die erste Zug-Verbindung von Immenstadt wäre zu spät in Tegernsee angekommen, somit musste ich erst einmal um 4:41 Uhr (Grauuuus – bei mir als Morgenmuffel!) daheim losradeln, 20 km nach Kempten Hauptbahnhof bei Nebel, teilweise scheinbar Reif auf der Wiese und auf Autos, kam dann um etwa 5:32 Uhr in Kempten an, wo um 5:42 Uhr der Zug nach München losfuhr. Am Automaten zog ich noch schnell ein Bayern-Ticket-Single für 20 € und eine Fahrradkarte für 4,50 € – denn das Fahrrad musste unbedingt mit! Angekommen in Tegernsee musste ich nämlich noch gut 7 km zum Startplatz an der Wallberg-Bahn radeln – hatte also trotz Bahn 27 Fahrrad-Kilometer vor dem Berglauf zu tätigen.

Sowohl bei meinen Fahrrad-Kilometern als auch in den Zügen sitzend war ich noch mit meinen Sandalen inklusive Socken bekleidet. Hose hatte ich aber nur eine kurze an und nicht einmal eine lange dabei – somit war ich auf der Anreise nach der frostigen ersten Radfahrt und im unbeheizten Zug etwas durchgefroren, war absolut demotiviert und hatte keine Lust auf meine Berglauf-Event. (Wenigstens eine lange Jacke hatte ich am Morgen noch an.) In München Hauptbahnhof stiegen in den Diesel-Triebwagenzug der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) Richtung Tegernsee noch einige sportlich gedresste Frauen und Männer ebenfalls mit Fahrrädern ein. Kurz vor der Endstation Tegernsee (der Ort und der See haben den selben Namen) hörte ich einen der (Rad-)Sportler zu seiner Begleiterin sagen, dass sie dann zum Wallberg radeln müssen. Ich mischte mich in deren Gespräch ein und fragte, was sie denn am Wallberg vor hätten? – Die Antwort freute mich, alle waren auf der Anreise zum Wallberglauf! Kombiniert mit Bahn und Fahrrad wie ich, aber für sie weniger anstrengend, da die anderen aus München kamen. Ich erzählte, dass ich schon sehr früh in Immenstadt aufbrechen musste und da fragte mich doch glatt der andere Sportler: Bist Du der Barfuss-Läufer? Das freute mich zu hören, zumal ich ja noch ganz inkognito mit meinen unmodischen Sandalen mit Socken bekleidet war.

Meine Anfangs lustlose Stimmung war nun deutlich aufgehellt und motiviert – es war schon schön, dass ich so weit ab von der Heimat und dick beschuht als der „Barfuss-Bergläufer“ erkannt wurde. Zumal inzwischen die Sonne aufgegangen war und die Temperaturen angenehm wurden. Nun ging es also vom Bahnhof Tegernsee etwa 7 km mit dem Fahrrad zur Wallberg-Seilbahn-Talstation, die zur Nachbargemeinde Rottach-Egern gehört.

Am Startplatz angekommen zog ich erst einmal meine Sandalen und Socken aus und deponierte die Schuhe auf dem Fahrrad-Gepäckträger. Wenige Minuten später sagte der Veranstalter, Helmut Reitmeir (www.berglaufpur.de/) mit seinem Lautsprecher durch, dass nun der Barfussläufer angekommen sei. Ich holte meine Startunterlagen ab und pinnte meine Startnummer ans Lauf-Shirt.

Und dann kam es zur nächsten interessanten Begegnung: Ein Reporter der „tz“ (das ist eine Münchner Zeitung) sprach mich an und machte mit mir ein Interview zum Thema Barfuss-Berglauf inklusive Foto. Der Reporter fragte mich, ob ich derjenige sei, der heuer die Alpen barfuss überqueren will. Ich klärte den Reporter auf, dass ich nicht dieser Martl Jung sei. Und dass ich gehofft hatte, dass Martl beim Wallberglauf mit mir zusammen starten würde. Leider sei aber Martl terminlich etwas dazwischen gekommen. Auch sagte ich dem Reporter dass Martl alpinistisch und auch barfuss-bergsportlich deutlich mehr drauf habe als ich. Nach Aussagen des Reporters soll das Interview nicht so schnell in der „tz“ erscheinen, sondern erst in etlichen Wochen im Rahmen einer grösseren Reportage zum Thema Berglauf.

Schliesslich fiel der Startschuss. Ähnlich wie kürzlich beim Halbmarathon Kempten machte ich auch diesmal vor dem Start, nach der Ziel-Ankunft und vor allem während des Berglaufes mit meiner Digicam Self-Videos, auf denen man teilweise gut sehen kann wie so ein Berglauf-Wettkampf aussieht – zumindest im hinteren Mittelfeld. Nach gut der Hälfte des Laufes stellte ich fest: Scheisse, der Akku schwächelt langsam ab! Es war ein steiler holperwurzeliger Waldaufstieg, trotzdem wechselte ich den Digicam-Akku während des Laufens, ohne stehen zu bleiben und trotzdem ohne zu stolpern oder mich zu verletzen.

Angekommen bin ich im Ziel nach 51:20 Minuten, der Sieger stellte einen neuen Streckenrekord mit 31:45 Minuten auf. Es war mein bisher langsamster Wallberglauf, ich war aber nur 27 Sekunden langsamer als im Vorjahr. Von 284 Frauen und Männern war ich der 163., in meiner Altersklasse M 45 war ich von 33 der 17.. Hier mal alle meine Wallberglauf-Zeiten, selbstverständlich alle barfuss:

2004: 46:48 min
2005: 45:18 min
2006: 45:16 min
2007: 42:19 min (Ist NICHT vergleichbar mit den anderen Jahren. 2007 bin ich die steile „Extrem-Variante“ über die Skipiste hoch gelaufen die naturgemäss weniger Zeit braucht. Diese Variante wurde bisher nur einmal angeboten.)
2008: 50:53 min
2009: 51:20 min

Es gab auch nette und interessante Gespräche bei Bier und Kaiserschmarrn im Panorama-Restaurant am Ziel. Da sass ein anderer Bergläufer mit am Tisch, der brauchte über 60 Minuten, war über 10 Minuten hinter mir. Er erzählte, dass er eigentlich gar nicht wettkampfmässig laufen dürfte, er hat nämlich starke Schmerzen durch eine Knorpel-Wucherung an der Ferse. Ich blöder Hammel habe natürlich ganz vergessen, ein paar tolle Barfuss-Flyer mit zu nehmen, denn ich schwärmte diesem Sportler vom Barfuss-Laufsport vor. Ohne dass ich medizinische Kenntnisse hätte empfahl ich ihm, so wie ich es mache auf Barfuss-Berglauf hin zu trainieren. Ich mutmasste ihm gegenüber, dass er als Barfuss-Bergläufer viel gezielter die schmerzenden Fuss-Partien entlasten könnte als in Laufschuhen. Und ich machte ihm Hoffnungen, dass er barfuss wohl deutlich unter eine Stunde am Wallberg kommen könnte. Ich bedauerte ihm gegenüber, meinen Flyer vergessen zu haben, gab ihm aber meine eigene Homepage-Adresse und sagte dass ich oben in meiner Linksammlung das Barfuss-Forum verlinkt habe, in dem ich aktiv bin.

Wieder ein anderer an meinem Tisch hatte etwas lustiges vom Lauf zu berichten. Er hörte wie einer ihn von hinten langsam einholte, der so lautstark schnaufte und stöhnte, dass er sich dachte: „Der wird’s nicht mehr lange durchhalten, der kippt aus den Latschen!“ Doch dann sah der andere Läufer dass der laut stöhnende ja BARFUSS ist und dann wusste er sofort: Doch, der packt es bis nach oben, da braucht er sich keine falschen Hoffnungen machen, dass dieser zusammenklappt.

Zu guter letzt ging es noch mit der Seilbahn ins Tal, mit dem Fahrrad zum Bahnhof Tegernsee und mit dem Zug zurück nach Immenstadt, mit Umsteigen in München und Buchloe.

Bergsportliche und naturverbundene Barfuss-Grüsse,

Euer Karl Heinz Haidlas