Wie entstehen Eishöhlen in Gletschern?

Hier will ich nun mal ein wenig zu den physikalischen Vorgängen aufzeigen, die solche Eishöhlen wie die im Bacherloch entstehen lassen. Das Ganze wird anhand einer Skizze am besten verständlich. Unter der Skizze kommt dann der Text zur Erläuterung.

Skizze:

Die Erklärung:

Es gibt manchmal mehrere Jahre hintereinander, in denen sich zum Beispiel im Bacherloch (oder auch anderswo im Gebirge) im Winter so viel Schnee ansammelt, dass er das ganze Jahr nicht mehr vollständig verschwindet. Der Schnee in der Schlucht verdichtet sich zu Eis und kann etliche Meter Mächtigkeit erreichen.

Nach wie vor fliesst natürlich weiterhin der eine oder andere Bach unter den Eismassen hindurch. Wenn das Bachwasser auch nur gering über dem Gefrierpunkt liegt, wird durch das Spritzwasser über dem Bachlauf ganz langsam eine enge Höhle in die Eismasse hineingeschmolzen. Nun ist die erste enge Höhle da, die sich von oben nach unten durch den Gletscher zieht.

Schliesslich wird es Sommer und dann setzt ein Mechanismus des verstärkten Höhlenwachstums ein:

Die primäre enge Bach- Höhle ist im wahrsten Sinne des Wortes mit "eis"- kalter Luft gefüllt, die durch ihre Kälte dichter und damit "schwerer" ist als die sommerliche Warmluft ausserhalb des Gletschers. Das setzt nun einen umgekehrten Kamin- Effekt in Gang.

Die schwere Höhlenkaltluft sackt nach unten ab, was zu einem starken Wind in der Eishöhle von oben nach unten führt. Gleichzeitig wird durch die oberen Öffnungen warme Sommerluft in die Höhle nachgesaugt. Der warme Luftzug von oben schmilzt nun von innen relativ rasch die Höhle zu immer grösserem Durchmesser auf. Gleichzeitig kühlt sich die vormals warme Luft am Eis ab und kommt unten als schwere Kaltluft an. Somit hält sich in der warmen Jahreszeit dieser umgekehrte Kamineffekt monatelang rund um die Uhr selber am Laufen und schmilzt einen immer grösseren Hohlraum in das Eis.

Wenn auf der anderen Seite von der Gletscheroberseite die obersten Schichten geschmolzen sind, sammelt sich eine immer dickere Schicht aus Geröll und Erdreich (von den Lawinen stammend) an. Sind Gestein und Erde auf dem Eis dick genug geworden, isolieren sie das Eis unter sich gegen die sommerliche Wärme. Das kann so weit gehen, dass die Gletscheroberfläche kaum noch schmilzt (durch Erde isoliert), aber die Höhle unten trozdem weiter aufschmilzt! Denn in der Höhle ist das Eis nackt, Erde und Steine fallen zu Boden und können keine isolierende Schicht ausbilden.

Gerade wenn ein Gletscher nach einigen "fetteren" Jahren schliesslich am Absterben ist, wie "mein Bacherloch- Gletscher" im Sommer 1998, dann bilden diese physikalischen Phänomene sehr bizarre Eisformationen aus: An der Oberfläche durch Erdreich isoliert schmilzt kaum etwas weg, von unten durch den Kamin- Effekt verschwindet das komplette Fundament dieser Eiskonstruktion. Das führt dann zu solch beeindruckenden Fotomotiven, wie ich sie 1998 genutzt habe.

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